Gesundes Obst von hiesigen Bäumen

Obstbaumwart kümmern sich um die Streuobstwiesen.

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Der Rhein-Sieg-Kreis ist einer der streuobstwiesen-reichsten Kreise in Nordrhein-Westfalen. Die hochstämmigen Obstbäume mit ihren ausladenden Kronen und das darunter liegende Grünland gehören zu unserer Kulturlandschaft. Sie sind ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten. Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Kleinsäuger profitieren von dem reichhaltigen Angebot an Höhlen, Blüten und herabfallendem Obst. Streuobstwiesen sind das Ergebnis jahrhunderterlanger landwirtschaftlicher Tätigkeit. Sie beherbergen eine Vielfalt an alten Obstsorten, die in Vergessenheit geraten sind. Die moderne Agrarpolitik, anhaltende Bebauung und die Konkurrenz aus dem Intensivanbau gefährdet die mehr als 1500 Einzelflächen im Kreis mit zehntausenden Obstbäumen in ihrem Bestand.

Alte Obstsorten ermitteln

Im Rahmen unserer Arbeit kartieren wir Streuobstwiesen, beraten Landwirte und Eigentümer bei der Neuanlage und Pflege der Bestände und helfen, Förderanträge zu stellen“, sagt Stefan Lieneman mit Blick auf die Fördergelder. Die stellt das Land für die Neuanlage einer Streuobstwiese bereit. Der Mitarbeiter der Biologischen Station des Rhein-Sieg-Kreises in Eitorf ist für die Flächenbewirtschaftung zuständig. Unterstützt wird er dabei vom Verein „Natürlich Streuobst“. Dieser Zusammenschluss hat sich 2017 aus den Obstbaumwarten gegründet. Sie wurden von der Biologische nStation im Oktober 2016 im Rahmen des Landesprojektes Chance7 erstmals ausgebildet. Zu den ersten 29 – inzwischen gab es drei weitere Kurse – gehörte Rainer Przygoda aus Much. Der 54-Jährige zeigt Bürgern, wie man Bäume richtig schneidet, pflegt oder pflanzt und wie man sie gesund erhält. Auch dem Ermitteln alter Obstsorten in Privatgärten widmet er sich gerne. Bereits seit 2008 versuchen die Biologischen Stationen des Rheinlands zusammen mit dem Landschaftsverband lokale alte Obstsorten zu finden, zu vermehren und zu erhalten.

Äpfel sind ein gesundes Obst

Die Graue französische Renette“ hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert. Sie stammt noch aus den Kriegswirren und wurde hier eingeführt”, weiß Pzygoda. „Heute verlieren wir solche alten Sorten“, sagt Lienemann mit Blick auf die im Supermarkt erhältlichen wie Topas, Elstar und Pink Lady. Lediglich der Golden Delicius sei eine alte Sorte und stamme aus dem Amerika der 1880er Jahre, ergänzt Przygoda. Zur Erhaltung dieser alten Obstsorten gehört ganz besonders das Wissen um den richtigen Schnitt. „Bis in die 70er Jahre konnte noch jeder seine Bäume selbst schneiden“, so Lienemann. „Die Bäume vergreisen sonst und brechen irgendwann auseinander“, sagt der Obstbaumwart und weist auf weitere aktuelle Probleme hin: die anhaltende Trockenheit der vergangenen Jahren und ein starker Wühlmausbefall. Aus diesem Grund führte die Biologische Station in diesem Sommer regelmäßige Bewässerungen auf ihren 165 Hektar umfassenden Flächen durch. 50 bis 60 Streuostwiesen mit 3700 Bäumen auf hundert Hektar betreut die Station überwiegend im Siebengebirge, aber auch im Bereich Hennef und Eitorf.

Aus dem Obst wird Saft

Die dort gewonnenen Äpfel – aus Kapazitäts- und Zeitgründen können die Bio-Station-Mitabeiter nicht auch Pflaumen und Birnen ernten – werden ebenso wie die, die Bürger in der Bio-Station abgeben können, vom Safthersteller Bad Hönninger zu Saft gepresst. „Die Leute, die Äpfel bringen, erhalten dafür sowohl Apfelsaft, als auch Geld“, sagt Lienemann. Vom 23. September bis 17. Oktober läuft die jährliche Aktion, bei der es für hundert Kilo Äpfel zehn Liter Saft oder 15 Euro gibt. Darüber hinaus sucht die Bio-Station noch freiwillige Helfer für die Apfelernte. Selbst pflücken dürfen die Bürger indes nicht. „Zum einen befinden sich viele Wiesen im Naturschutzgebiet, zum anderen kann man bei der Ernte auch viel kaputt machen“, erklärt Lienemann. Man müsse ganz vorsichtig hantieren, um nicht Äste abzubrechen. https://www.biostation-rhein-sieg.de/

Alte Obstsorten

Der „Berlepsch“ verspricht „Aromaexplosionen“, wie Rainer Przygoda sagt. Aber auch die „Zuccalmaglios-Renette“ ist dem Obstbaumwart in „besonders leckerer Erinnerung“ geblieben. Gut überwintern lässt sich der „Winterglockenapfel“, der erst im April sein knackig frisch-säuerliches Aroma voll entfaltet. Insgesamt gibt es in Deutschland über 1000 Apfelsorten, früher waren es sogar noch viel mehr. Jeder Dorflehrer hatte seine eigene Baumschule und es wurden immer neue Sorten entwickelt.

Neben Äpfeln stehen auch Birnen im Fokus der Obstbaumwarte. Diese dürften aber nicht am Baum ausreifen, weil sie dann mehlig werden. Verkostungen insbesondere von Äpfeln gibt es beim Apfelfest am 13. September von 12 bis 17 Uhr auf dem Bioland-Hof Hochgürtel, Am Kesselsberg, Wachtberg-Züllighoven. Weitere Tipps zu alten Sorten und Kurse zum Obstbaumschnitt unter: https://www.natuerlich-streuobst.de/

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